SonneMondSterne - X7

Festival der elektronischen Musik

Fatboy Slim

Bei Fatboy Slim muss man ja immer ein wenig aufpassen, wenn er am Wasser spielt: Vor sieben Jahren tat er das auf seinem eigenen Festival an der Küste in seiner Heimatstadt und ließ 250.000 Fans durchdrehen. Dabei kam es zu fast riot-ähnlichen Zuständen, die sicher dazu führten, dass der Name Norman Cook (wie der Fatboy bürgerlich heißt) im Brightoner Rathaus auf die rote Liste gesetzt wurde. An der Bleilochtalsperre wird sich das natürlich nicht wiederholen, aber den kollektiven Rausch, den es brauchte, eine Viertelmillion Menschen in Ekstase zu bringen, kann man nach seinen eindrucksvollen Live-Shows nur allzu gut nachfühlen. Es sind ja nicht nur Hits wie „The Rockafeller Skank“, „Praise You“, „Right Here Right Now“ oder „The Joker“, die einem ganz formidabel in den Hintern treten – Fatboy Slim versteht es auch, seiner Performance eine visuelle Note zu verpassen, die mit der Qualität seiner Tracks locker mithalten kann. Und damit ist nicht sein extravaganter Hemden-Geschmack gemeint, sondern das gekonnte Leinwandflimmern, mit dem sich Herr Cook auf der Bühne umgibt. Egal ob passgenaue Animationen, Ausschnitte aus seinen fast legendären Videoclips oder Close-ups des Meisters bei der Arbeit – zu sehen beim Hören und Tanzen gibt’s immer was, Reizüberflutung nicht ausgeschlossen. Nach so einer Show wird sich niemand mehr trauen, jemals wieder zu behaupten, mit Big Beat ginge nix mehr.

Fatboy Slim@MySpace

Sven Väth

Anfang der 80er Jahre fällt ein junger Mann in einem angesagten Frankfurter Club den DJs durch seine extravagante Kleidung und seinen expressiven Tanzstil auf. Sie erkennen: Jemand, der so tanzt, muss ein besonderes Gefühl für Musik haben, und bieten ihm einen Job an den Turntables an. Der Junge aus der hessischen Provinz nimmt dankend an. Seine einzige DJ-Erfahrung bisher: die Kleinstadtdisco seiner Eltern. Während seiner Sets im Dorian Gray führt der bis dahin Unbekannte seinen exzentrischen Stil ungeniert weiter: Er trägt abgefahrene Kostüme und tanzt vor, neben und über den Decks – unter anderem den „Electrica Salsa“. Er verlässt das Pult und heizt der tanzenden Menge ein. Auf diese Weise definiert der Kleinstädter in Frankfurt den Begriff des DJs völlig neu. Und auch musikalisch verlässt er bald den Mainstream und macht sein eigenes Ding. Zehn Jahre später legt er bereits weltweit in den führenden Clubs auf. 1994 ist er der mit Abstand erfolgreichste DJ der Welt und die Presse bezeichnet ihn als den „einzigen Popstar Deutschlands“. Heute nennt man Sven Väth auch den Godfather of Techno. Denn er gilt als Pionier und Wegbereiter der deutschen Techno-Szene und als einer der ganz großen Turntable-Artists weltweit.

www.myspace.com/svenvaeth

Laurent Garnier LIVE

Wenn man das schöne Wort Haçienda in seinem DJ-Lebenslauf stehen hat, dürfte man keine Schwierigkeiten mehr haben, irgendwo einen Job an den Turntables zu finden. So hieß bekanntlich jener Club in Man- pardon Madchester, der die Techno-Welt in den Acid-House-Rausch gestoßen hat. Umso schöner, dass sich Laurent Garnier, der ebendort aufgelegt hat, keineswegs auf den Lorbeeren der alten Zeiten ausruht, sondern sich fortan ebenso wie sein Sound konsequent weiterbewegt hat – und ganz nebenbei noch als Produzent und Labelcheffe von F Communications die elektronische Musik entscheidend voran gebracht hat. Mit der neuen EP mit dem handlichen Namen „Gnanmankoudji“ im Plattenkoffer wird er wieder einmal auf dem SMS französisch-vornehm zum Tanz bitten.

www.laurentgarnier.com

Mr. Oizo

Ja, Mr. Oizo ist der mit dem Video in dem diese gelbe Handpuppe in diesem alten Auto sitzt und im Rhythmus dieser hibbeligen Beats so drollig mit dem Kopf wackelt. 1999 war das, der Track hieß „Flat Beat“ und das gelbe Stoffviech entsprechend flat eric. Aber das ist nun wirklich schon lange her. Seitdem ist viel passiert: Quentin Dupieux aka Mr. Oizo hat zwei Filme gedreht, zwei weitere Alben rausgebracht und arbeitet mittlerweile für das Pariser Top-Label Ed Banger. Eins hat sich allerdings nicht geändert: Mr. Oizos Live-Sets gönnen einem immer noch keine Atempause, die Übergänge sind kurz, radikal und schmerzlos – und Monsieur Dupieux mag es nach wie vor, wenn man zu seinem Electro-Sound wild pogt.

www.myspace.com/oizo3000

The Prodigy

Man nimmt es heutzutage als Selbstverständlichkeit hin, dass Acts wie Justice große Rockfestivals bespielen und dabei selbst Metal-Shirt-tragende Langhaarige ins Raven bringen. Dass dem so ist, verdanken wir aber zu großen Teilen den Herren Liam Howlett, Keith Flint und Maxim Reality alias The Prodigy. Sie haben spätestens nach dem zweiten Album „The Fat Of The Land“ ihren Sound-Bastard aus Rave, Big Beat und Electro-Punk konsequent in die Rockwelt getragen, ohne dabei ihre Herkunft zu verleugnen. Dass sie sich vor diesem neuen Publikum behaupten konnten, lag nicht zuletzt an ihren wilden Live-Shows. Aber wer klappt nicht den Unterkiefer herunter, wenn Keith Flint wie irre über die Bühne fegt und seine Textzeilen schreisingt, wenn Maxim mit seinen Satansaugen das Publikum ins Visier nimmt, wenn Liam Howlett wild bangend sein Equipment bearbeitet? Und dann wäre da ja noch die nicht zu verachtende Tatsache, dass es kaum besseren Austick-Antrieb gibt als Tracks wie „Voodoo People“, „Firestarter“ oder „Smack My Bitch Up“. Auf dem aktuellen „Invaders Must Die“ haben sie mit dem Titeltrack oder der Single „Omen“ noch mal ein paar dieser Glanzstücke draufgepackt. Nach der fast überall ausverkauften Clubtour sind sie nun topfit, um auch die großen Bühnen in guter alter Prodigy-Tradition zu zerlegen.

The Prodigy – official Website
The Prodigy@MySpace

Richie Hawtin feat. Barem

Minus Special

Die Idee zum Minus Special ist ganz einfach: zwei DJs, zwei Geschichten, vereint unter dem Minus-Banner. Richie Hawtin, Label-Papa und seit 15 Jahren im Plattenteller-Business tätig, prägte den Detroit Techno gemeinsam mit Carl Craig und mischte auch sonst weltweit in der Szene mit. Obwohl er ursprünglich Kanadier ist, fühlt sich Richie Hawtin als elektronischer Weltenbummler. Immerhin grast der große Blondierte pro Jahr etwa 25 Nationen mit seinen DJ-Sets ab. Dabei fing alles ganz klein an: Als Teenager ließ sich Hawtin gleichermaßen von Techno aus Detroit, der Plattensammlung seines Vaters und einer Affinität für Videospiele und Science Fiction inspirieren. Vor über zehn Jahren gründete er dann das Label Minus, das bis heute aufstrebende Künstler und DJs aus der Technoszene unterstützt. Zu diesen DJs gehört auch der argentinische Jungspund Barem, der seinen Stil als „Ponymal Techno / Ponymal House“ beschreibt. Hinter der mystischen Umschreibung verbergen sich groovige Minimal-Akzente mit satten Basslines und gewitzten Synthie-Samples. Auf Richie Hawtin traf Barem 2005 in Buenos Aires. Durch den Support vom Labelchef machte sich Barem einen Namen und begeistert seither alle geneigten Dancefloor-Süchtigen. Gemeinsam dürften Richie Hawtin und Barem das Festival dermaßen zum Knattern bringen, dass die Tanzbeine im Anschluss auf Kur geschickt werden müssen.

Carl Cox

Man hat Carl Cox das DJing nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Aber kaum war er aus derselben rausgekrochen, rockte er die ersten Turntables. Oder vielmehr einen alten Plattenspieler, den er benutze, um im Alter von acht Jahren Familientreffen mit den Soulscheiben seiner Eltern zu beschallen. Was für den Knaben aus Manchester so harmlos begann, endete nirgendwo anders als an der Spitze – denn heute wird er gerne mal von Fans und Fachpresse als „bester DJ der Welt“ bezeichnet. Aber bei all den Respektsbekundungen, die ihm entgegengebracht werden: Was zählt, ist auf dem (Platten-)Teller! Und da liegen immer noch harte Technobeats, die sich mit all den Einflüssen seiner Musiksozialisation kabbeln.

www.carlcox.com

Peter Fox am See

Allerspätestens seitdem er bei der diesjährigen Echoverleihung so richtig abräumte, ist Peter Fox in aller Munde. Denn der rothaarige Sänger, Songwriter und Produzent sorgt nicht nur mit den Dancehall-Dandys von Seeed für Furore. Auch sein 2008er Soloalbum „Stadtaffe“ schlug heftig ein. Seine einzigartige Verbindung aus klubtauglichen Sounds und orchestraler Wucht, diese „Filmmusik zum Tanzen“ (Fox über sein Solowerk), erstürmte die Charts und brachte ihm besagte Auszeichnungen ein. Hits wie „Haus am See“ werden im Radio rauf- und runtergespielt und mit „Schwarz zu Blau“ hat der gebürtige Berliner die an Hauptstadt- Hymnen nicht gerade arme Musikwelt um eine weitere – vielleicht sogar die einzig wahre – Berlin-Ode bereichert. Vielleicht wird Peter Fox, der eigentlich Pierre Baigorry heißt, sich aber diesen Künstlernamen gab, weil Peter eben Pierre auf Deutsch ist und er wegen seiner roten Haare eigentlich schon immer „Foxi“ genannt wurde, ja noch Teil der neuen Berliner Charme-Offensive. Das Potential hätte er allemal. Denn auch bei seinen Live-Auftritten versprühen Peter Fox und seine mehrköpfige Band pure Lebensfreude. Es darf getanzt werden! Frei nach „Schwarz zu Weiß“ kann man dann sagen: „War aufm SMS, war schön gewesen.“ Allerdings könntet ihr Fox dort bei einem seiner letzten Solo-Auftritte erleben. Nach eigenem Bekunden will er erst einmal wieder in den Schoß von Seeed zurückkehren.

Peter Fox – official Website
Peter Fox@MySpace

Mia.

Wie man im Showbiz jung, innovativ und authentisch bleibt? Ganz einfach: MIA. sein. Wie sie bereits auf ihrem Debüt „Hieb & Stichfest“ proklamierten, trauen sich die kunterbunten Berliner um Sängerin Mieze Katz, mit ihrem Sound „die Lager zu spalten“. Annette-Humpe-NDW sei das, jaulten und maulten die Kritiker. Die Fans aber liebten die fauchende Mieze – und sollten mit ihrer Verehrung Recht behalten. Heute konzentriert sich das Berliner Quartett auf quietschfidelen Elektropop. Dabei verschwindet der Punk in MIA. nie gänzlich – immer noch haftet der Band etwas Trotziges, Freches, Politisches an. Trotzdem halten die Berliner ihre Fans auch mit luftig-lieblichen Songs wie „Tanz der Moleküle“ bei der Stange. Doch wer MIA. beim aktuellen Longplayer „Willkommen im Club“ nicht wieder Neues, Unerwartetes zutraut, kennt sie nicht. Mieze beschreibt das Album als „schnörkellos, aber trotzdem detailverliebt“ und findet damit genau die richtigen Worte. Denn obwohl Sound und Instrumentierung an Opulenz und Verschnörkeltheit mit den Jahren zugenommen haben, sind es nach wie vor die Ecken und Kanten, die bei MIA. reizen. Und selbst, wenn Mieze in den höchsten Tönen vom Verliebtsein schwärmt, lässt sie keinen Kitsch zu. Dafür fordert die Sängerin nur eins von ihrem Publikum: „Komm her und tanz mit mir, hin und wieder mal.“

www.miarockt.de

Deichkind

Die Live-Shows der Hamburger Feiersäue Deichkind sind legendär. Sie sind eine Anfeuerung zu „Krawall und Remmidemmi“, ein flammender Aufruf zum „Aufstand im Schlaraffenland.“ Da werden mit kindlicher Begeisterung und zu bissigem Electro-Tech-Rap Hüpfburgen, Müllsackkostüme und Gummiboote vergewaltigt und Wahrheiten gebrüllt wie: „Arbeit nervt!“ Nach dem Tod ihres Gründungsmitglieds Sebi Hackert entschied die Band, diesen Festivalsommer noch zu spielen und sich danach zu überlegen, ob man weitermachen kann und will. Der Gig beim SonneMondSterne vielleicht also eine der letzten Parties – aber auf jeden Fall eine gute.

www.deichkind.de