SonneMondSterne - X7

Festival der elektronischen Musik

Booka Shade

Walter Merziger und Arno Kammerheimer verstehen das Musik- ebenso wie das Labelmachen. Ihr „Get Physical“-Label gilt als feinste Adresse für technoide House-Klänge, zu ihren Songs wie „Body Language“ und „Charlotte“ tanzt man auf der ganzen Welt. Ihr letztes Album „The Sun And The Neonlight“ war eines dieser wunderbaren Klangkunstwerke, die einen einerseits durch die Nacht bringen und einen andererseits im Morgenlicht sanft an die Hand nehmen und nach Hause bzw. ins Zelt geleiten. Ihre Shows funktionieren da ganz ähnlich. Kammerheimer sagte mal in einem Interview, es gehe bei ihnen „um dieses Pendeln zwischen Euphorie und Melancholie, das man gerade zum Sonnenaufgang zu spüren scheint“ – das trifft die Sache.

Northern Lite

Ursprünglich hatten sich Andreas Kubat und Sebastian Bohn vor allem der elektronischen Musik verschrieben, als sie 1997 Northern Lite gründeten. 2001 holten die beiden Erfurter sich dann einen Gitarristen in die Band und seitdem mischen Northern Lite sehr erfolgreich progressiven Techno- und Elektropop mit Rockgitarren. Das Queens-Of-The-Stone-Age-Cover „Go With The Flow“ ist neben vielen eigenen Songs ein Zeugnis dieser musikalischen Symbiose und gehört auch heute noch zum Standardrepertoire eines jeden Gigs von Northern Lite. Seit langem ist die mittlerweile auf vier Mitglieder angewachsene Band ein fester Bestandteil der großen Festivals. Dort beweist sie immer wieder ihre großen Live-Qualitäten.

The Mutant Clan

aka Timo Maas & Santos

Timo Maas hat es geschafft: Von einer kleinen niedersächsischen Stadt in die weite Welt und bis hin zu Kollaborationen mit Musikgrößen wie Kelis und Brian Molko. Durch seine Weltenbummlerei kam auch die Zusammenarbeit mit dem italienischen Produzenten Santos zustande. Als die beiden aufeinander trafen, war das DJ-Projekt schon beschlossene Sache – The Mutant Clan war geboren. Die satten, dunklen Sounds von Santos bilden mit Timo Maas’ Techno- und House-Verstrickungen eine Fusion, die längst überfällig war. In der Summe enthält das Projekt die doppelte Portion klickernder Electronic-Beats und deeper Bassbomben. Ob Technodub oder Acid House – das Duo befüllt den Dancefloor mit purer Tanzbarkeit.

Dubfire

Er mischt ohne Skrupel Punk, Industrial und New Wave mit Jazz, Dub, HipHop, House und Techno. Damit geht er zurück zu seinen eigenen Wurzeln und ist gleichzeitig höchst innovativ und zukunftsweisend. Er reißt musikalische Mauern ein und konfrontiert einen so mit den eigenen musikalischen Vorurteilen. Auf diese Weise provoziert und inspiriert er Szene und Musikbiz gleichermaßen. Er ist besessen von Musik – und das merkt man seinen Tracks und Auftritten an. Er ist ebenso mainstream wie underground. Bereits als Mitglied des Produzenten-Duos Deep Dish war Ali Shirazinia sehr erfolgreich. Bekannt wurde Shirazinia aka Dubfire vor allem durch den Track „RibCage“, der 2007 zu einem Clubhit wurde.

Tobi Neumann

Schon die Riege der Künstler, die er vom Produzentensessel aus betreut hat, spricht für die Open-Mindedness von Tobi Neumann – und für sein Können: Da findet man nämlich so Unterschiedliches wie Miss Kittin, die Bananafishbones oder natürlich die Chicks On Speed. Ganz nebenher ist Mr. Neumann aber auch einer der geschätztesten House-DJs im nicht gerade qualitätsarmen Cocoon-Artist-Roster und hat zum Beispiel auf Sven Väths Millenium-Party in Thailand, auf den Klassikern Mayday, Love Parade und eben dem SonneMondSterne immer wieder glücklich zertanzte Gestalten hinterlassen.

Dapayk & Padberg LIVE

Mit seiner ungleich berühmteren Lebensgefährtin Eva Padberg hat der in Thüringen aufgewachsene Produzent Niklas Worgt alias Dapayk bereits zwei wundervolle Poptechnoalben veröffentlicht. Darüber hinaus betreiben die beiden mehrere kleine Labels. Die Rollenverteilung ist klassisch: Eva schreibt die Texte und singt, Niklas kümmert sich ganz um die Elektronik. Die gemeinsamen Auftritte der beiden sind rar gesät, weshalb wir uns besonders freuen, Dapayk & Padberg auf dem SMS-Festival begrüßen zu dürfen.

DJ Phono

"Party ist mein Beruf" würde er sagen, wenn man fragt, was er da, stets nüchtern, um 5 uhr morgens noch im Pudel macht. Es gibt immer noch etwas zu entdecken, egal wo man hin guckt. Das erklärt auch, warum er sich von der beliebten "Hau den Lukas"-Methode abgewendet hat und Erwartungshaltungen ignoriert. Eine Reise auf dem Spannungsbogen. DJ Phono langweilt sich beim Auflegen nicht. Der Versuch, in Kategorien zu denken, ist schwierig, weswegen Jemand seine Musik als "emotional-zunächst-minimal-dann-aber-auch-doller-techno-mit-pop-appeal-über-techhouse-zum-tanzen-geeignet-bis-stumpf-zum-wegballern-techno-elektro + überraschung" bezeichnet hat. Langweiliges, Eintöniges Minimal-Gepocker wird dabei einfach weg gelassen.

Gregor Tresher

Wenn ein DJ zwölf Monate lang durch die Welt jettet, dann bedeutet das nur eins: Er ist verdammt gut und beherrscht sein Handwerk. Gregor Tresher ist so einer. Sein Terminkalender ist bis obenhin gefüllt – mal geht es zu einem DJ-Set nach Hollywood, dann nach Belgrad und nach Graz. Und überall wird der „Elektrolux“-Jünger vergöttert. Scheinbar mit links schafft er es, zarte Electro-Sequenzen aneinanderzuflechten, ohne der Eintönigkeit zu verfallen. Ein Meister seines Fachs.

Mathias Kaden

Er ist der mächtige Gebieter über Bongo, Clave und Maracas. Mathias Kaden erschafft beständig wahre Beatmonster, die House an die rhythmischen Kosmen anderer Kulturen anschließen. Die Strukturen aus Bassdrum, HiHat-Opening auf der einen Seite und Percussions auf der anderen Seite sind immer dicht, komplex und frei von jedem Kitsch. Das hat ihn zu einem der renommiertesten DJs der Republik gemacht – im aktuellen Leser-Poll der de:bug wird der Muna- und Kassablanca-Resident unter den Top Ten geführt.

Sebastian Mullaert aka Minilogue

Minilogue spielte sich durch EPs auf Labels wie Cocoon, Wagon Repair oder Mule in die Beletage des Techno. Das Album „Animals“ mit seinen darauf befindlichen 26 (!) Tracks gehört zu den wichtigsten Genrealben des letzten Jahres. Minilogue treffen mit ihrer Verbindung aus klassischem Techno und typischer Minimalästhetik der Nullerjahre den Nerv der Zeit. Dabei gibt es in den Livesets der Skandinavier nicht nur etwas/eins auf die Zwölf, auch Ambient und Downbeat haben stets ihren festen Platz in den Sets der beiden.

Krause Duo

Freude am Tanzen ist das eine, Freude am Gefrickel nicht zwingend das andere. Wendelin Weissbach und Stefan Carl sind das fabulöse Krause Duo. Sie errichten elektronische Plattenbauten aus Witz und Grips. Ihr Vierviertel kann auch mal bis Drei zählen. Oder bis 1210, je nachdem, was der Wahnwitz den beiden gerade so befiehlt. Bei einem Abend mit dem Krause Duo geht es impulsiv-implosiv zu: Der Danceflorr wird zum Schwarzen Loch, in dem Raum und Zeit kollabieren und Sinn und Verstand ihre Auferstehung erleben.

Techno from Chemnitz City

Hanson & Schrempf vs. Reche & Recall (Special Live Battle)

Chemnitz ist die „Stadt der Moderne“. Vier Workaholics untermauern diesen Slogan der Stadtwerber eindrucksvoll wie ungewöhnlich: Hanson & Schrempf sowie Carsten Rechenberger & Recall 8 sind die Macher der Labels Rohrmusik beziehungsweise Miditonal. Ihr Ruf als Hardtech-Heroen schallt mittlerweile durch ganz Europa. Ihre Live-Battles unter dem Motto „Techno from Chemnitz“ sind eine Institution. Die DJs, Produzenten und Label-Owner bringen den pumpenden Synthie-Sound zurück, ihre Sets durchweht der Geist der zeitlosen Moderne.

Disco Dice

Die Idee hinter Disco Dice war zunächst, die wilden Partys des berüchtigten New Yorker Clubs „Studio 54“ in unsere heutige Zeit zu beamen. Mit seinem Mix aus Clubsounds und Revivals der Siebziger und Achtziger Jahre schafft das DJ-Team, was es sich vorgenommen hat. Live sorgen die Dresdner mit Pyroeffekten für Partyexzesse im Publikum und motzen ihr Set mit Afroperücken und discotauglicher Seventies-Klamotte auf. Nicht umsonst nennen sich Disco Dice auch „Your Favoured Heroes“ – deine bevorzugten Helden.

Marco Remus

Als Chicago und Detroit nach Thüringen kamen, ist Marco Remus einer der ersten, der die House-Tür öffnet. Mit „Ostcode“ macht er Hardtechno hierzulande zu einer Nummer und wird zu einem DJ mit meterdickem Terminkalender. Macht nicht’s, Remus hat schließlich „Nerven“ und kann bei Labelarbeit und Booking chillen – und wenn es bei „Techno unplugged“  ist.

Dole & Kom

Als Tresor und WMF ausschließlich etwas für Hyper-Eingeweihte waren und der Atari 1024 ST noch das Musikinstrument der Stunde war, spielten Dole & Kom als Clubheroes bereits DJ-Sets und Live-Acts zwischen San Francisco und Kiew. Natürlich ist das Disco-House-Duo wieder Residents im immer noch einigermaßen neuen Tresor – und natürlich wieder auf dem SMS.

Lauhaus

Laurens Lanting kann man eine ganze Menge in die Tanzschuhe schieben. Der Amsterdamer DJ ist seit zehn Jahren in der holländischen Technoszene aktiv, an mehreren Techno- und House-Projekten beteiligt und gründete dieses Jahr das Label „Soweso Records“.

Turntablerocker

Wenn man sich schon in einem Plattenladen kennenlernt, dann muss man auch gemeinsam Musik machen. Das haben sich Michael „Hausmarke“ Beck und Thomas „Thomilla“ Burchia gedacht, als sie sich in einem solchen Fachgeschäft trafen. Mittlerweile stehen die beiden mehr als zehn Jahre gemeinsam hinter den Decks, haben sich weitgehend von ihrer HipHop-Base emanzipiert und ihren ganz eigenen Style geschaffen. „Boogie“ nennen sie diesen Elektronic Wildstyle, der irgendwo zwischen House, geraden und gebreakten Beats und pumpendem Electro angesiedelt ist. Absolut tanzbar jedenfalls. Ihre Live-DJ-Sets sind auch deshalb meistens ausverkauft. Beck und Burchia verstehen es eben wirklich, die Tuntables zu rocken.

Josh Wink

Josh Wink ist eine Institution im Acid House. Der US-amerikanische DJ und Produzent war gerade einmal 17 Jahre alt, als er begann, in den Clubs seiner Heimatstadt aufzulegen. Damals ahnte der aus Philadelphia stammende Josh Wink wohl nicht, dass er es acht Jahre später mit seinem Song „Don’t Laugh“ in die weltweiten Charts schaffen würde. Seinem Acid House, der oftmals mit psychedelischem Unterton spielt, ist er bis heute treu geblieben. Trotzdem – und Gott sei Dank – schreckt  Josh Wink nicht vor Kollaborationen mit Musikern wie Trent Reznor (Nine Inch Nails), Caroline Crawley (This Mortal Coil) und Ursula Rucker zurück. Seinen ganz persönlichen Anstrich verpasst er den Songs trotzdem immer.

Polarkreis 18

Als sie dreizehn Jahre alt waren, haben sie Punk und Metal gespielt. Sie waren jung und brauchten kein Geld. Dann kamen Blur mit ihrem Album „13“ daher, wuschen den sechs Dresdner Jungs den Kopf und brachten sie auf andere Gedanken. Von nun an schufen sich die Schuldfreunde ihren eigenen Stil: Sie mischten gekonnt elektronische Sounds, verspielte Beats und kraftvolle Samples mit Schlagzeug und E-Gitarre und sangen englische und deutsche Texte darüber. Der steile Aufstieg von Polarkreis 18 begann. 2007 erschien das selbstbetitelte Debütalbum, ein Jahr später brachten sie bereits ihr zweites Album „The Colour Of Snow“ heraus. Mit der Single-Auskopplung „Allein Allein“ schafften sie es auf Platz 1 der Charts.

Johannes Heil

Sven Väths „Dein Schweiß“ hat er zum Hit produziert, seine Debütsingle hat er „Die Offenbarung“ genannt (und sie genauso klingen lassen), sein „Paranoid Dancer“ verfolgte einen selbst auf die ganz großen internationalen Floors – das Kanzleramt-Urgestein hat eindeutige Spuren in der Technowelt hinterlassen, sei es als Produzent oder als DJ. Sein Markenzeichen: tiefe Bassmelodien, die sich von unten anpirschen und einen dermaßen in die Zehen beißen, dass man einfach nicht still stehen kann.

Moguai

Moguai hat die Clubs der ganzen Welt gesehen, sie von Johannisburg über Melbourne bis Ibiza und Zürich bespielt – aber der Beat seines Herzens wummert immer noch für das Ruhrgebiet. Dort hat er sich Anfang der Neunziger an der minimalistische Klang-Autobahn von Kraftwerk inspiriert, um sie dann mit der Energie der aufkommenden Rave-Szene auf der Überholspur zu befahren. Auch Moguai ist ein Stammgast auf dem SMS – und auch in diesem Jahr wieder einmal an der Bleilochtalsperre am Start.

Extrawelt

Arne Schaffhausen und Wayan Raabe gründeten ihr Projekt Extrawelt Ende der Neunziger in Hamburg. Nach zahlreichen EPs auf Labels wie Cocoon, Traum oder James Holdens Border Community veröffentlichten sie im letzten Jahr endlich das langerwartete Debütalbum „Schöne Neue Extrawelt“, das auf wundersame Weise zeigte, dass sich Techno und Melodien nicht ausschließen müssen. Trance ist hier nicht als Schimpfwort zu verstehen, sondern bedeutet im weitesten Sinne die „Verbindung von Kaputtheit mit etwas Schönem“.

Frank Lorber

Das Motto seines Labels „Nummer Schallplatten“ lässt sich auch gut auf die Sets des Cocoon-Urgesteins übertragen: „Alles was musikalisch Spaß macht oder elektronisch anmacht!“ Was hier noch ein wenig zu allgemein gegriffen klingt, macht nur allzu Sinn, wenn man sich von Lorbers Musikauswahl in Trance bringen lässt und dabei immer wieder auf Sounds stößt, die man nicht unbedingt erwartet hätte. Wenn elektronische Anmache so klingt, lässt man sie sich ja nur zu gerne gefallen.

Felix Kröcher

Er ist der neue Global Player: Von Frankfurt aus sendete er den Beat zunächst via „Sunshine Live“, dann übernahm er den legendären „Freitagaaabend“ von Chris Liebing im U60311. Und nun: Madrid, Budapest, Neapel, Altötting. Und schon wieder weiter. Klar, dass der Gralshüter des Hardtechno im Raveline-Voting 2008 als „best National DJ“ geführt wird – vor Väth, Wittekind und van Dyk. Über 60 Releases – Artist-Alben, EPs, Remixe – hat er veröffentlicht – was für ein Pensum: „When the going get’s tough“ eben …

Cassy

Die gebürtige Engländerin ist nicht erst seit ihrem Umzug nach Berlin vor fünf Jahren eine feste Größe in der hiesigen Minimal Techno-Szene. Sie veröffentlichte Platten auf Labels wie M_nus, Playhouse oder Perlon und ist eine der Resident DJs der Berliner Panoramabar, deren erste Compilation sie auch mixte. Nebenbei betreibt sie ein eigenes Label. Cassy ist bekannt für deepe und lange Sets mit vielen Spannungsbögen, bei denen die Tanzflächeneuphorie schon mal in blanke Hysterie umschlagen kann.

Raresh

Vor ganz kurzer Zeit war er noch so etwas wie ein Geheimtipp, inzwischen wissen es nicht nur seine Kollegen Tobi Neumann, Josh Wink und Villalobos: DJ Raresh aus Bukarest ist der heiße Scheiß of now. Auf seinen Slipmats fließen Tech-House und Minimal mit House zu einer ebenso feinen wie kraftvollen Mische zusammen, kanalisiert von flinken Händen (Jeff Mills täte Augen machen). Mit Villalobos legte er bereits Deck an Deck auf, als der mal in Rumänien vorbeischaute – es wurde sein bis dato längstes Set.

Lexy

Es ist der Spagat zwischen Clubsounds und Chilleinheiten, zwischen tanzbaren Electronica und Ambient-benetzten Klangflächen, den der Berliner Lexy mit Leichtigkeit schafft. Die eine Hälfte von Lexy & K-Paul ist als Solo-DJ nicht nur in Gesamtdeutschland unterwegs. Alexander Gerlach hat es seinem Ruf als langjähriger Dancefloor-Profi-Bespaßer zu verdanken, dass er mittlerweile jeden Club mit seinen dezenten Technotüfteleien im Vinyl-Umdrehen in ein Partyzelt verwandeln kann.

Chapeau Claque

Während Uri Geller noch verzweifelt nach talentiertem Nachwuchs sucht, hat die deutsche Musikwelt diesen bereits gefunden: Chapeau Claque zaubern mit einer Leichtigkeit Elektropop mit lyrischen Texten aus ihrem Hut – wie Magier früher weiße Kaninchen. Den fünf Erfurter Klappzylindern um die Sängerin Maria Antonia Paula Schmidt gelingt dabei der Trick, aus Electro-Sounds, Klavierballaden und Tangoeinlagen eine Art Electro-Chanson-Pop-Romantik zu erschaffen, ohne sich oder anderes dabei zu verbiegen.

Bodi Bill

Eine Prise R&B, ein gutes Auge (nicht Gehör?) für eingängige Popgesangs-Lines und eine dicke Zugabe Electronica – Alex Amoon und Fabian Fenk wissen, was zusammengebaut gehört, damit zeitgenössische Tanzbarkeit dabei herauskommt. Wo der Trend hingeht, scheint das Duo jedoch nicht zu interessieren. Vielmehr zeigen Songs wie „I Like Holden Caulfield“, wie es auch ohne 08/15 funktionieren kann. Das Gespür für den richtigen Sound lässt sich dem aktuellen Longplayer „Next Time“ ganz wunderbar anhören.

Luna City Express

Luna City Express stehen nicht für Hochgeschwindigkeitsreiserei, sondern für elegantes Reisen im lässigen Stil: Majestätisch verbinden Norman Weber und Marco Resmann (DJ Phage) Deep House und Tech House in sanfte Bögen aus Beats und Harmonien. Und Luna City Express sind nicht nur deep und funky, sondern lieben den verschmitzten Effekt. Macht glücklich.

Cannibal Cooking Club

Bei ihnen ist ein Mixer noch ein Mixer und nicht etwa ein seelenloses Ding mit Monitor und Automatikfadern. Hydro und Error muss man sich vorstellen wie Johann Lafer on crack, nur eben viel lauter. Sie verrühren C-64-Sounds mit Topfgeklapper, Elekto und D&B. Wird „De Bomb“ explodieren, fragen sie auf dem aktuellen Release „Zoff am Zaun“. Da kann man sich sicher sein.

Boris Werner

Der niederländische DJ ist ein Geheimtipp der Amsterdamer Musikszene. Sein Sound ist eine Mischung aus Minimal, House und Techno, den er bereits gemeinsam mit Lauhaus umsetzte. Wirklich zu Hause ist Boris Werner allerdings auf dem Dancefloor.

Pier Bucci

Der chilenische DJ Pier Bucci ist einer der wichtigsten Electronica-Acts Südamerikas. Sein individualistischer Techno-Stil vermittelt oszilliert feinsinnig zwischen klassischen Latin-Rhythmen und abstrakten Electro-Sequenzen.

Tiefschwarz

Die Gebrüder Schwarz sind seit 1996 die Fachlieferanten für unterkellerte Deep-House-Beats, die aber lediglich das Fundament ihres vielseitigen Sounds bilden. Inspirieren lassen sich Alexander und Sebastian nämlich lieber außerhalb von lähmenden Genregrenzen. „Wir reisen durch die Welt und hören so viele verschiedene Arten von Musik. Ein große Vielfalt ist da ganz natürlich – sie funktioniert instinktiv.“ Das hört man den organisch wie aufregend klingenden Tiefschwarz-Hits immer wieder an, sei es bei ihren House-Hits „On Up“ und „Acid Soul“, beim Acid-House-inspirierten Samstagabends-Arschtritt „Issst“ oder bei ihren Brückenschlägen in Richtung Pop wie „Warning Siren“ (mit Rapture-Sänger Matty Safers) oder „Wait And See“, bei dem der Chikinki-Frontmann die Vocals liefert.

Lexy & K-Paul

In der altehrwürdigen Westberliner Kreativzelle Low Spirit haben sie sich Ende der 90er Jahre kennengelernt und sehr bald gemerkt, dass sie nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich auf einer Wellenlänge liegen: Alexander Gerlach und Kai Paul aka Lexy und K-Paul. Für den Technolectro haben sie durchaus stilbildend gewirkt. Wenn man es denn so nennen will – vielleicht sagt man einfach: elektronische Tanzmusik der gehobenen Klasse. Vor allem die Live-Qualitäten von Lexi und K-Paul sind berühmt. Denn beide verschanzen sich nicht hinter ihren Turntables, sondern wissen, wie man auf der Bühne ordentlich abgeht und mit den Zuschauern feiert. So hinterlassen Lexy und K-Paul nach jedem Auftritt eine Spur der Verzückung.

DJ Rush

Er bezeichnet sich selbst als exzentrisch und verrückt, seine Shows als brutal und unterhaltsam zugleich und seinen Style als hard energy. Er liebt das, was er macht, und steht deshalb schon mal zehn Stunden hinter dem DJ-Pult. Der Track, der ihn Ende der 90er Jahre berühmt machte, hieß „Motherfucking Bass“ und stieg zur Clubhymne auf. DJ Rush weiß eben, wie man Leute unterhält. Geboren als Isaiah Major in Chicago, wurde Rush in den 70er und frühen 80er Jahren durch die dortige Disco- und House-Szene geprägt. Bald bastelte er in seinem Zimmer an seinen eigenen Tracks und stand an den Wochenenden selbst hinter den Turntables. Es folgen Sets in den angesagtesten Clubs Chicagos, Londons und Berlins.

Boris Dlugosch

Wer sich an der Front, pardon im Front in Hamburg als Partysau-Beschaller erster Güte bewiesen hat, wer mit einem Song wie „Never Enough“ selbst Moloko-Sängerin Róisín Murphy dermaßen bezirzt, dass sie diesen Song mit ihrer Stimme veredelt, wer sich auf nahezu jede Crowd einstellen kann und sich in seinen DJ-Sets in fast allen Spielarten der elektronischen Musik zurechtfindet, egal ob House, Electro, Techno oder Minimal – tja, wer all diese Kriterien erfüllen kann, wie es bei Boris der Fall ist, der ist natürlich ein gerngesehener Gast auf dem SMS.

Wighnomy Brothers

Robag Wruhme und Monkey Maffia sind weltweit gefürchtet. Auf jeden Vodkashot, den sich das Publikum genehmigt, kippt das Jenaer Duo drei. Flaschen, wohlgemerkt. Auch die Platten der Wighnomy Brothers beweisen immer wieder, dass sich elektronische Tanzmusik und guter Humor nicht ausschließen müssen. Konsequenterweise remixte Robag in den vergangenen Jahren wahrscheinlich nicht nur jeden hochrangigen Technoproduzenten dieser Welt, sondern arbeitet auch mit Leuten wie Helge Schneider und Rocko Schamoni zusammen.

Markus Kavka

Dem breiten Publikum bekannt wurde Markus Kavka durch seine Rolle als Nachrichtensprecher bei MTV und Sätze wie „Ham’ wa’ wieder was gelernt“. Seine Zuschauer spricht er gerne mit „Herrschaften“ an. Darüber hinaus ist Markus Kavka aber auch ein versierter DJ, der über die Jahre hinweg einen wahren Wandschrank von Platten angesammelt hat. Dabei steht vorzugsweise Minimal Techno auf dem Programm, natürlich stets stilsicher gemixt. Ganze Heerscharen von Tänzern werden es ihm zu danken wissen.

Jazek Sienkiewicz

Auf den Underground-Raves seiner Heimatstadt Warschau erlebte Sienkiewicz seinen persönlichen Techno-Urknall. Mit juvenil-entschlossener „Ich will das auch können“ – Einstellung machte er sich schnell in der polnischen DJ-Szene einen Namen, um sich dann nicht zuletzt durch die Reputation der Cocoon-Crew auch international zu behaupten. Der Titel seiner 2007er-Releases auf Cocoon-Records ist da sehr passend: „Good Night And Good Luck“. Für beides sorgt er dabei nur zu gerne mit seinen DJ-Sets.

Onur Özer

Der türkische Produzent und DJ steckt zwar erst in seinen späten Zwanzigern, gehört aber bereits zu den bekanntesten Vertretern seiner Zunft weltweit. Sein Debütalbum „Kashmir“ wurde mit analogen wie digitalen Instrumenten gleichermaßen produziert. Das Ergebnis oszilliert zwischen Orient und Okzident, denn Özer verarbeitet in seinen Tracks auch gezielt Einflüsse aus der traditionellen türkischen Musik. Das bescherte ihm bereits Remixaufträge für Künstler wie sein großes Idol Dave Gahan.

C-Rock

Der in Frankfurt geborene Produzent und DJ remixte Künstler wie Steve Bug, Sven Väth und Erlend Øye und ist im Technotempel Cocoon seit Jahren schon als Resident aktiv. Zusammen mit Matthias Vogt betreibt C-Rock auch das international erfolgreiche Projekt Motorcitysoul, mit dem er sich, wie der Name bereits andeutet, ganz dem Housesound Detroiter Bauart verschrieben hat. Der ist bekanntlich deep wie ein Baggersee, zwischendurch knallt C-Rock aber auch gerne mal die eine oder andere Oldschool-Acidplatte auf den Teller, damit es im Karton gehörig rappelt.

Breakfastklub

Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages. Glücklich der, der es mit dem Breakfastklub alias Janosh und Nick D-Lite einnehmen kann. Natürlich brechen die beiden DJs aus Leipzig respektive Halle nicht das Brot, sondern – wie es sich gehört – die Beats. So kredenzen sie Tech House und Electro, aufs Feinste abgeschmeckt mit Vocals und Scratches. Benannt haben sie sich in der Tat nach dem ollen Hollywood-Schinken aus den 80ern – weil Janoshs erste 12’’ der Titelsong zu „Breakfast Club“ von den Simple Minds war …

Marcus Meinhardt

Die Welt ist ja sowieso nur eine Scheibe. Umso besser, wenn sie aus dem Koffer von Marcus Meinhardt und seinem „Upon You“-Label stammt. Sein Plattenarm verband einst die Muna mit dem SonneMondSterne, reicht unterdessen natürlich in die ganze wilde, weite Welt der Bassdrum. Sein eleganter Tech-House ist der pluckernde Hochzeitsmarsch, wenn Floor und Four-to-the-Floor sich für einen gemeinsamen Familiennamen entscheiden, zum Feieraltar torkeln, um unauslöschlich und unter minimalem Gefunke miteinander zu verschmelzen.

Markus Fix

Seit sein Bruder ihm seinen ersten Dreikanalmixer schenkte und Markus Fix die ersten sonischen Experimente im Geist von Kraftwerk und Yello anstellte, ist viel Wasser die Bleichlochtalsperre hinuntergeflossen. Seit seinem „Projekt 2000“ aus dem gleichnamigen Jahr taucht Markus Fix zunehmend auf den Billings der angesagten Clubs zwischen hier, London und Ibiza auf. Unter uns: Der Frankfurter Producer (Cecille, Below) mit seinem Hang zu reduzierten Tribals und reich ausstaffiertem Minimal wird das nächste große Ding.

Gunjah

Electronic freestyle nennt Gunjah seine Musik – und verspricht ein kosmopolitisches Soundinferno: intensiv, innovativ, progressiv. Seine Funkwelt ist eine feste Instanz in Dresden und weit darüber hinaus. Mit seiner tanzbaren Musik für elektronische Feingeister eroberte der DJ, Produzent und Clubbetreiber von der Elbestadt aus bereits die ganze Welt. 

Marek Hemmann

Freude am Tanzen – durch die strikte Einhaltung des Mottos: Weniger ist mehr. Marek Hemmann zeigt, dass es nicht schlimm ist, in grauer Vorzeit mal Gitarrenmusik gehört zu haben. Sein Powerbook enthält vornehmlich Minimal und Housiges sowie wohlfeiles Geknister. Aber wenn Marek Hemmann an den Knöpfen knöpft und an den Reglern regelt, ist nichts mehr wie es war.

Kratzer

Den legendären Leipziger Club 10/40 dürften seinerzeit nur wenige ohne Blessuren wieder verlassen haben. Kein Wunder, schließlich war Kratzer dort Resident und zeigte, wie die Nacht klingt: nach Techno, Schranz „oder schlimmer“ (O-Ton Kratzer). Auf dem SMS ritzter er bereits letztes Jahr seinen Namen in die Gehörgänge. Seinen Sound kriegt man nie wieder raus.

Kollektiv Turmstraße

Christian Hilscher und Nico Plagemann gründeten ihr Technoprojekt vor knapp zehn Jahren in einer Männer-WG. Ein Glück, dass es nicht hinter den vier Wänden geblieben ist, denn dieser angenehme Sound gehört definitiv auf Vinyl und PVC-Tanzböden.

Empro

Wer ab und zu Möwengeschrei in Empros Songs hört, muss sich nicht wundern. Der DJ ist an der Ostsee geboren, mittlerweile aber in der Hauptstadt ansässig. Zugehörig fühlt er sich dem Minimal-Techno und beschallt damit am liebsten die Tanzflächen.