SonneMondSterne - X7

Festival der elektronischen Musik

Lange vor DSDS und all den folgenden Falsifikaten hatten wir bereits unseren Fresh‘n’Sexy Contest, der ganz ohne peinliche Abstimmungspannen und Pseudoauskenner als Juroren auskommt. Dafür ist der Wettbewerb grundehrlich und findet am Ende ganz vorn an der Bühnenkante statt. Und wer das Ding gewinnt, kann sich natürlich auch „Superstar“ nennen, wenn er oder sie das will. Aber wer will das schon?

Nebenstehende Acts treten in diesem Jahr gegeneinander an:

Lost.Minds

lost.minds haben es wieder getan und sind mit ihrer neue EP “Ghosts and Echoes“ zuruück. Der bandeigene Kampf zwischen Electronica und Indie ist auch diesmal wieder zum Nährboden für eine energiegeladene Soundlandschaft geworden. Treibend, schleppend; atmosphärisch bis tanzbar. Aber
sind wir ehrlich, so eingängig, wie auf “Ghosts and Echoes“, waren die Songs noch nie. Verdammt schweißtreibend, was das Quartett da in Berlin zusammengebastelt hat.

Der Sound ist homogener und sicherlich auch reifer gewurden, aber ihre Experimentierfreude und Zerrissenheit haben sie in keiner Weise verloren. Nachdem auf der letzten Platte, “For all that...goodbye“ als kleiner Hit für Furore sorgte, wird die Auswahl für diesen Posten diesmal schwer. Man hat einfach die Qual der Wahl was schon wieder wundervoll ist. Sicher ist aber die EP eignet sich für den heimischen Plattenspieler im Wohnzimmer genauso wie für taumelnde Zappeleien auf der im bunten Neonlicht flackernden Tanzfläche.

Gimmix

Als DJ verzichtet Gimmix bewusst auf Genregrenzen und sieht jeden Song immer nur als Basis für seine eigene Interpretation aus Scratches, Loops und Basslines. Entgegen den Hypes und fernab von Hipster-Denken versteht es Gimmix, eine Mischung aus Bekanntem und Unbekannten abzuliefern und dabei immer ein Auge für das Publikum zu haben. Gekonnt vereint er Elektronische Musik mit Breakbeat, Rock und Hip Hop. Aus diesem Grund steht der Name Gimmix für einen unverwechselbaren und einzigartigen  Sound im Club.

Auch als Produzent kann er überzeugen und hat bereits Remixe und Releases auf Audiolith Records verzeichnen. Also Augen auf diesen Dude der gegen den Hype, aber trotzdem mit der Zeit schwimmt und das auf seine ganz eigene Art und Weise.

Panik Pop

Elektronischer, sehr flächenlastiger und treibender Sound, melodisch fest gebunden, teilweise dunkler 130 BPM Rave. Anders! Die Sprache ist von PANIK POP, dem seit Dezember 2010 bestehenden Produzentenduo aus Leipzig. Marcus und Max trafen sich bereits 2009 auf einer Geburtstagesfeier und formten dann fortan verschiedenste Projekte. Sowohl allein als "Do not Switch" und "HattorEE" als auch zu dritt als"Ferox Reckes". Doch etablieren konnten sie sich erst als Panik Pop, einer 2 Mann-Live-Combo.

Panik Pop das bedeutet nicht nur im Club spielen, sondern auch viel harte Arbeit. So sind teilweise 80stunden Arbeit für die Katze bis endlich die zündende Idee kommt. Dabei hilft den beiden Musik von ihrem "Musik Gott" Anthony Rother, genauso wie die Sounds von Modeselektor oder Mathias Kaden. Aber nicht nur gestandene Größen regen zum Produzieren an, so finden auch Sounds regionaler und unbekannter Acts ihr gehör bei Panik Pop. Falsch wer denkt, dass hier kopiert wird, Panik Pop klingt frisch, sexy und nach vielen eigenen Ideen.

Gathaspar

Kacper Garbacz alias Gathaspar ist ein Phänomen. Ein Newcomer, dessen Tracks nach 20 Jahren Studioerfahrung klingen und zugleich doch so frisch wie tief und weit um die Ecke kommen. Ein Storyteller, der keine großen Worte braucht um sein Innerstes nach außen zu kehren, sondern mittels purem Sound ganze Welten schaffen kann. Und schließlich ein Produzent, der sich nicht um die Regeln der Tanzfläche schert, aber genau dort in Zukunft mit Kusshand empfangen werden dürfte. Weil seine Tracks mit ebenso viel Facettenreichtum wie Wiederekennungswert unter der Motorhaube frisches Öl in die alten Maschinen gießen und dabei im unteren BPM-Bereich schleichend und doch teils ruppig und rau zur Sache schreiten.

Der gebürtige Pole lebt derzeit in Warschau und schafft von hier aus den selten zuvor so gelungenen Spagat zwischen echten Instrumenten, bevorzugt Osteuropäische Folklore Klänge, und dubbiger Elektronik, ohne für auch nur einen Moment Gefahr zu laufen, in die 0815-Trötentechnofalle zu tappen. Auch seine Live-Sets destillieren ihre Kraft aus dem tiefen Hall der Zwischenräume, den Leerstellen zwischen jedem einzelnen Takt, die teils zeitlupengleich wie weite Landschaften vorbeiziehen und doch mittels kreativer Sogkraft alles mit sich ziehen. In unerforschte Soundregionen und von da aus schließlich doch direkt auf die Tanzfläche. Genau dort wird es von Gathaspar in diesem Jahr noch viel zu hören geben.