SonneMondSterne - X7

Festival der elektronischen Musik

Massive Attack

Die Meister der Gänsehaut-Beats sind zurück. Oder besser: Sie sind immer noch da. Und wie! Die Sounds von Robert „3D“ Del Naja und Grant „Daddy G“ Marshall elektrisieren heute noch genauso wie in ihren frühen Tagen, Ende der Achtziger. Aus dem inspirierenden Chaos ihrer Heimatstadt Bristol, in deren Hafen englische Punk-Aggression auf jamaikanischen Dub und elektronische Experimente traf, destillierten Massive Attack damals ihren ganz eigenen Stil. Vermengt mit HipHop und düsterem Soul rührten sie daraus eine pechschwarze Groove-Melange: geheimnisvoll, verschleppt, immer mit dem speziellen Schauder-Faktor. 1991 veröffentlichten sie ihr erstes Album „Btlue Lines“, das als Meilenstein gefeiert wird. Die Jungs aus Bristol bringen es damit zu Weltruhm und gehen als Erfinder eines neuen Genres in die Musikgeschichte ein: Trip Hop. Ihr Sänger Tricky startet wenig später eine Solokarriere und macht gemeinsam mit weiteren Acts wie Portishead, die gerade selbst ein Comeback feierten, Trip Hop zu einem der einflussreichsten Trends der Neunzigerjahre: Ohne Massive Attack müssten die letzten zwei Jahrzehnte Popgeschichte wohl komplett umgeschrieben werden. Nun veröffentlicht das Duo sein erst fünftes Studioalbum in einer zwanzigjährigen Karriere. Massive Attack verschwenden sich eben nicht. Sie arbeiten an Klängen für die Ewigkeit. Pathos und Melancholie über hypnotisierenden Beatkunstwerk

SA 09.08.: Mainstage

Special: 10 Jahre M_nus

An jeder Ecke ist er inzwischen zu hören: der Abgesang auf Minimal Techno, der immer lauter und lauter zu werden scheint. Doch der Chor der Minimal-Kritiker kann noch lange singen. Denn Richie Hawtin und mit ihm die Mitglieder seiner Labelfamilie M_nus sind immer die entscheidenden vier Takte voraus. Als rastloser Innovator, der für seine Musik stets die Möglichkeiten der neuesten Technologien ausreizt, bleibt Hawtin schließlich nicht an irgendwelchen Trends kleben. Wenn, dann setzt er sie. Und was er anfasst, das hat Substanz. Seit Hawtin um das Jahr 1990 seine kanadische Heimat Windsor als wichtige Nachbarstadt von Detroit auf die Techno-Landkarte brachte, hat er oft genug bewiesen, dass er einer der großen Chefdenker elektronischer Tanzmusik ist. Da versteht es sich von selbst, dass seine Ideologie nicht ausgedient hat, solange irgendwo auf diesem Planeten noch jemand zu einer geraden Bassdrum feiern will. „Minimize to maximize“, lautet die Zauberformel von M_nus. Oder auch: Weniger ist mehr. Seit genau zehn Jahren produziert diese Formel immer wieder neue Euphoriemomente auf dem Dancefloor. Gemeinsam mit seinen Labelkollegen und -kolleginnen Magda, Troy Pierce und Heartthrob, die den Sound von M_nus maßgeblich prägten, wird Richie Hawtin beim SMS also den zehnten Geburtstag seines Labels standesgemäß feiern. Minimale Ursache – maximale Wirkung.

FR 08.08.: Maincircus

Moby live: remixed

Ein Leben als Gesundheitsapostel und Gute-Laune-Garant: Für Richard Melville Hall aus New York ist das kein Gegensatz. Herr Hall, besser bekannt als Moby, ist wohl der bekannteste Veganer, Nichtraucher und Tierschützer im gesamten Popzirkus. Was allerdings weniger mit seiner vorbildlichen Lebensweise als vielmehr mit seiner famosen Musik zu tun hat. Nach Lehrjahren in diversen Bands und hinter dem DJ-Mixer landete Moby Anfang der Neunzigerjahre schon mit einem seiner ersten Solo-Tracks direkt in den britischen Top Ten und scheint seither auf Hits abonniert zu sein. Nicht zuletzt wegen einem zweiten vermeintlichen Gegensatzpärchen, das genauso typisch für Moby ist: Rave und Radio. Was in fröhlichen Guten-Morgen-Shows und im Feierabendstau normalerweise eher nicht zusammengeht, war bei Moby noch nie ein Widerspruch. Er hat seine Dance-Beats so sehr mit Emotionen aufgeladen, dass sie rund um die Uhr glücklich machen und er für sein Überdrüber-Album „Play“ schließlich neun Millionen begeisterte Käufer fand. Dabei bezeichnet er sich selbst schon mal als den „glatzköpfigen Typ, der in seinem Schlafzimmer Platten macht“. Der studierte Philosoph ist in Sachen Musik eben immer noch ein hoffnungsloser Romantiker, was er aktuell auch mit seinem neuen Album „Last Night“ beweist. So wolkig, wattig, weich wie bei Moby war man schon lange auf keinen Dancefloor mehr gebettet.

FR 08.08.: Mainstage

Mia.

Es war eine wilde Zeit. Eine Zeit, in der das Gefühl von Aufbruch, Veränderung und Nicht-einverstanden-Sein wie Sonnenglut die Luft erhitzte. Mittendrin in diesem Flirren: eine Berliner Göre mit umwerfender Ausstrahlung, die eher die Wände hochgeklettert wäre, als sich den Mund verbieten zu lassen. Mit ihrer frechen Schnauze wurde Mieze als Sängerin von Mia. zum Sprachrohr einer ganzen Generation. Zur Fürsprecherin von lebenshungrigen jungen Menschen, die jene immergleichen Vertröstungen auf ein Morgen, das so doch nie kommen sollte, nicht mehr hören wollten. Warten war das Wort, das sie zuallererst aus ihrem Wortschatz löschten. Und an seine Stelle setzte Mieze gemeinsam mit den vier Jungs ihrer Band Übermut, Ungeduld und Alles-sofort-Wollen. Jetzt oder gar nicht! Genau diese Energie ist in jedem einzelnen Song von Mia. zu spüren. Auch wenn sich die Band von Elektro-Punks längst zu großen Pop-Zauberern gemausert hat. Trotz verwandelte sich in Mut, die Hysterie des ersten Albums „Hieb & Stichfest“ wurde zu Poesie. Die Melodien, die Riffs und Miezes Texte aber sind aufwühlend wie eh und je, vor allem wenn sie live und direkt von der Bühne schallen. Niemand weiß das besser als das Publikum des SonneMondSterne-Festivals, dem die Berliner Band schon seit Jahren die Treue hält und ein ums andere Mal ein Feuerwerk von einem Konzert beschert.

SA 09.08.: Mainstage

Fettes Brot

Hamburger HipHop ist „Nordisch By Nature“. Klar, das war in der Hansestadt schon immer so, zwangsläufig. Dass das aber bedeutet, vor lauter Lachen fast vornüber aus den Sneakers zu kippen, wurde erst so richtig klar, als Fettes Brot mit ihrem gleichnamigen Hit um die Ecke kamen. Bei den Wahnwitzreimen, die Doktor Renz, König Boris und Schiffmeister zu fetten Party-Breaks vom Stapel ließen, blieb kein Auge trocken – vor Lachtränen. Dieses heitere Ahaerlebnis liegt nun fünfzehn Jahre zurück und in Rapdeutschland hat sich seither einiges getan. Die Fetten Brote aber haben ihre Stellung als Leuchtturmwärter des guten Geschmacks sowie des nordisch-charmanten Humors stets mit großer Leidenschaft verteidigt. Und mit Erfolg. Im Rückblick könnte man heute aus all den Karrierehöhepunkten des Hamburger Trios eine fast endlose Liste stricken: Sie durften mit James Last musizieren, haben mit „Jein“ die Hymne aller ewig Unentschiedenen abgeliefert und vor drei Jahren ihre „Emanuela“ zum Bundesvision Song Contest geschickt. Live geht bei ihnen in Begleitung einer ganzen HipHop-Kapelle die Post ab. Die Brote servieren fröhlichen Party-Rap erster Kajüte, wie er 1979 in Deutschland an jeder Straßenecke gelaufen wäre, hätte es hier je so etwas wie die Block Partys in der Bronx gegeben. Die alte, von den Broten selbst entdeckte Formel gilt also immer noch: „Außen Top Hits, Innen Geschmack“.

FR 08.08.: Mainstage

Sven Väth

Sven Väth ist so der Typ Familienmensch. Natürlich spielte er für die Rave Nation von Anfang an die Rolle eines großen Pioniers, der nicht nur als DJ einflussreich war wie kein zweiter, sondern auch die Philosophie von Techno weltweit bekannt machte. Doch er selbst verstand sich viel eher als Vaterfigur, als Zeremonienmeister, der sein Publikum nie gehen lässt, bevor er nicht alles gegeben hat. Sein Label Cocoon funktioniert nach demselben familiären Spirit – und ist wohl genau deswegen zum erfolgreichsten Techno-Imperium der letzten Jahre aufgestiegen. Es ist damals so wie heute: Wenn Papa Sven zum Tanz bittet, kommen alle Generationen zusammen.

FR 08.08.: Mainstage