SonneMondSterne - X7

Festival der elektronischen Musik

Digitalism

Die mühsam errichteten Sicherheitsanlagen an der Grenze zwischen Rave-Spaß und Indie-Party wurden von Digitalism einfach in Schutt und Asche gelegt. Seit Jens Moelle und Ismail Tuefekci in ihrem Bunkerstudio in Hamburg Sankt Georg den Track „Zdarlight“ zusammenschraubten und damit wie aus dem Nichts einen Überhit auf dem Pariser Label Kitsuné landeten, wird zu Monsterbeats und derben Synthies auch wieder mit Gitarre und Mikrofon abgefeiert. Die beiden haben das Erbe von French House derart überzeugend auf Schweinerock gebrezelt, dass die halbe Welt aufhorchte und sofort zu ihren Tracks tanzen wollte – und zwar genau in jenem Style, den ein Stücktitel von Digitalism als Motto ausgibt: „Pogo“.

FR 08.08.:
Mainzirkus

Ricardo Villalobos

Letztes Jahr war es soweit. In einer so noch nie da gewesenen Wendung der Geschichte der Leserpolls verdrängte Ricardo Villalobos seinen Freund Sven Väth von Platz Nummer 1. In der Gunst der Groove-Leserschaft steht Villalobos nun ganz an erster Stelle: Er wurde zum besten DJ des Landes gekürt. Als Überraschung kann das jedoch kaum gelten, die Krönung war vielmehr überfällig. Seit Ricardo Villalobos 2003 mit dem epochemachenden Album „Alcachofa“ auch als Produzent den Durchbruch schaffte, war sein Höhenflug nicht aufzuhalten. Aktuell darf er als der wohl meistimitierte DJ gelten. Was viele der Nachahmer aber schlicht übersehen: Ricardos Stil ist und bleibt einzigartig.

FR 08.08:
Cocoon@SMS-Festival

Boys Noize

Eine andere Art von Techno. Der Hamburger Alex Ridha, bisher vor allem bekannt als Kid Alex, hat sie mit seinem Projekt Boys Noize für sich erfunden. Mit den richtigen Etiketten für solche musikalische Neuschöpfungen ist es ja immer eine etwas heikle Sache. Aber auf den verzerrten Elektro-Radau von Alex passt diese hier wie die Faust aufs Auge: Hooligan Rave. „Oi Oi Oi“ hieß das erste Boys-Noize-Album, und so brachial, testosterongeschwängert und schweißtreibend wie die darauf enthaltenen Tracks klang elektronische Musik schon lange nicht mehr. Boys Noize macht kompromisslosen Techno-Rock, gegen den selbst zwei Brüder im Geiste wie die Pariser Jungs von Justice ganz schön brav aussehen.

FR 08.08.:
Mainstage

Simian Mobile Disco

„Attack Decay Sustain Release“: Diese Wortabfolge beschreibt nichts Anderes als die Hüllkurve eines analogen Synthesizer-Sounds. Pure Form, kein Inhalt. Doch „Attack Decay Sustain Release“ war auch der Titel jenes Albums, das dem letzten Sommer sein aufregendes Lebensgefühl und den passenden Soundtrack dazu verpasste. Die Rede ist vom Debütalbum von Simian Mobile Disco, das genau zum richtigen Zeitpunkt einschlug und einmal mehr den neuen Konsens zwischen Dancefloor und Festivalbühne symbolisierte: Es muss raven! Das Duo aus Manchester kriegte genau das hin, analog, spontan und ungestüm. Auch diesen Sommer liefern die beiden wieder den Stoff, aus dem heiße Partynächte gemacht sind.

FR 08.08.:
Mainstage

The Presets

FR 08.08.:
Mainstage

Lützenkirchen

SA 09.08.:
Mainstage

Moonbootica (live)

Der Mond ist ihre Sonne. Die beiden Herren Tobitob und KoweSix sind bekanntermaßen mondsüchtige Gesellen. Seit Jahren meiden sie das Tageslicht, um Abend für Abend die Tanzflure der Republik mit dem nötigen Partyfutter zu versorgen. Von Filter-House über Hauruck-Techno bis zu HipHop-Breaks geht dabei alles. Die Rechnung dahinter ist einfach: Den langweiligen Verordnungen der puristischen Stylepolizei stellen Moonbootica seit jeher ihren persönlichen Lustgewinn entgegen. Und räumen damit auf ganzer Linie ab. Nach famosen DJ-Abenteuern gibt es Moonbootica ab sofort auch live. Immer nach dem Motto: „Wie es uns gefällt“ – und natürlich dem Publikum.

FR 08.08.:
Maincircus

Lexy & K Paul

Ob in Lederhosen, rosa Unterhosen oder knallbunten Leggings – die Herren Lexy & K-Paul machen immer eine gute Figur. Und sie verstehen was von Spaß, wie man natürlich nicht nur an ihren modischen Vorlieben erkennen kann. Nicht umsonst haben die zwei Berliner Originale zuletzt für eine Mix-CD die Parole „Komisch elektronisch“ ausgegeben. Die passt bei Lexy & K-Paul immer: Zwischen Techno, Bratzpop und Elektro entzieht sich ihr Stil jeder Einordnung, aber er sorgt auf jeden Fall für lachende Gesichter.

FR 08.08.:
Mainstage

Frank Lorber

Der Mann ist eine Raubkatze an den Turntables. Frank Lorber bewegt sich hinter den Reglern seines Mischpults wie der Panther in Rainer Maria Rilkes berühmtem Gedicht. Mit dem kleinen, aber entscheidenden Unterschied, dass Lorber es versteht, die gefesselten Energien im entscheidenden Moment zu kanalisieren und mitten auf dem Dancefloor freizusetzen. Die Sets des Frankfurters sind wie „ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der entrückt ein großer Wille steht“: der Wille zum kollektiven Glückserlebnis.

SA 09.08.:
Cocoon@SMS-Festival

D.Diggler

„Definitiv kein Minimal!“ D.Diggler ist ein Freund von Prinzipien und klaren Ansagen. Das inflationär gebrauchte M-Wort will der Produzent aus Hanau in Zusammenhang mit seinem Verständnis von Techno einfach nicht mehr hören. Und er braucht sich deswegen eigentlich keine Sorgen zu machen. Die Stilsicherheit, (Komma) mit der er seine eigene Vision eines erdigen, beherzten Techno-Sounds durchzieht, bleibt von oberflächlichen Hype-Begriffen sowieso unangetastet. Denn D.Diggler arbeitet an der Tiefenstruktur.

SA 09.08.:
Cocoon@SMS-Festival

Felix Kröcher

Mittwoch für Mittwoch stimmt Felix Kröcher die Feiergemeinde auf das bevorstehende Wochenende ein. Mit seiner Sendung „Hardliner“ auf Radio Sunshine Live hat er eine kompromisslose Gangart von Techno zu neuer Blüte geführt lässt keine Sekunde lang einen Zweifel daran, was Sache ist: Abfahrt. Dafür wurde er nun reich belohnt: Die Raveline-Leserschaft hat Felix Kröcher zum besten DJ des Landes gewählt. Völlig zu Recht: Die radikale Energie eines Kröcher-Sets ist derzeit kaum zu toppen.

FR 08.08.:
Maincircus

Michael Forshaw

Gary Numan und Charles Bukowski. Das sind für Michael Forshaw die zwei wichtigsten Einflüsse: ein New-Wave-Rebell und ein Alkoliterat. Daher verwundert es kaum, was der Produzent aus dem englischen Städtchen Blackpool daraus an Krasstechno zusammenschraubt. Michael Forshaw führt seine Rummsbeats mit den technischen Mitteln von heute wieder zurück zur Wildheit der frühen Tage. Und er weiß auch noch ganz genau, wie man eine 303-Filterfahrt zu einer zerebralen Daumenschraube zurechtzwirbelt.

FR 08.08.:
Unruhige Nächte & Ostcode@SMS-Festival

Krause Duo

Das Doppel aus Wendelin Weissbach und Stefan Carl ist vermutlich besser bekannt unter ihren Engtanzkampfnamen Metaboman und Carlson Basu, vulgo: Krause Duo. Wenn die beiden an zwei Plattenspieler treten, hagelt es schöne Erinnerungen an all ihre Ex-Musikliebhaberinnen (Jungle, Rap, Tuba-Techno u. v. m.), die sie im Viervierteltakt zum Swingen bringen. Kurz gesagt und in die Worte der zwei sympathischen Krausköpfe höchstpersönlich gepackt: Beim Krause Duo gibt es „absoluten Makrohouse und Rambazamba“.

SA 09.08.:
Freude am Tanzen@SMS-Festival

Marcus Meinhardt

Es war kein Senkrechtstart, doch nach kurzem Anlauf hat Marcus Meinhardts Karriere umso nachhaltiger gezündet. Startrampe war die Muna in Bad Klosterlausnitz, beim SMS gab’s einen wichtigen Zwischenstop, und mittlerweile ist Marcus in den bekanntesten Berliner Clubs aufgeschlagen und zieht als Betreiber von Upon You Records seine Kreise im Minimalkosmos. Die Tänzer schickt er regelmäßig in Richtung Sternenhimmel, denn Marcus Meinhardts DJ-Sets heben mit dem massiven Schub von Jet-Triebwerken ab.

SA 09.08.:
Muna Afterhour

Erobique

Testen auch Sie Erobique! Unser bewährtes Hamburger Housemittel vertreibt in Nullkommanichts Kummer und Sorgen, macht Lust auf Feiern bis in den Morgen. Erobique, das ist der Inbegriff aller sinnlichen Turnübungen auf dem Tanzparkett. Erobique, das ist Discosport der sonnigen und humorvollen Art. Erobique: die neue Art der Seelenmassage mit Hilfe von Freestyle-Orgel und Zaubermelodie. Von Party-Prof. Carsten Meyer, der „International Pony“-Gesellschaft und vielen weiteren Fachleuten empfohlen.

SA 09.08.:
Muna@SMS-Festival

Matthias Tanzmann

Matthias Tanzmann hat als Resident-DJ in der Distillery und Betreiber von Moon Harbour Recordings den Sound of Leipzig maßgeblich geprägt. Nachdem er die Untiefen der House Music beinahe vollständig ausgelotet hat, kreuzt er nun vermehrt durch glasklare, technoide Gewässer – allerdings nach wie vor mit großem Gespür für Wellengang und Deepness.

FR 08.08.:
Muna@SMS-Festival

Gunjah

Armut24 heißt die Erfurter Baustelle, auf der Gunjah derzeit hauptsächlich an seinen bouncenden Minimal-Tracks rumwerkelt. Dabei lässt er sich als DJ jedoch gar nicht gerne in einen Kategorienkäfig sperren. Zwischen knusperndem Afterhour-Stoff und dem Technolectro seines Projektes Moenster (gemeinsam mit Lexy) ist er für jede Tanzpogosause zu haben.

SA 09.08.:
Maincircus

Luna City Express

Die Metapher von einer wundersamen Reise wird gerne überstrapaziert, wenn es um DJ-Sets geht. Obwohl sie sich oft genug im Hinterhof eines einzigen Subgenres abspielen. Nicht so bei Marco Resmann und Norman Weber vom Leipziger Label Moon Harbour. Ihr Luna City Express fährt in der Dub-House-Techno-Galaxie tatsächlich alle denkbaren Destinationen an.

SA 09.08.:
Freshboat@SMS-Festival

Deichkind

War es ein Erdbeben? War es ein Tornado? Nein, es war ein Deichkind-Konzert! Wer versucht, nach einem Auftritt der Hamburger Remmidemmi-Rebellen mit der wohltuenden Verwüstung auf der Bühne sowie im eigenen Kopf klar zu kommen, kann schon mal ins Grübeln geraten. Ist das hier eben wirklich passiert? Daher hier zur Beruhigung schon vorab eine Garantieerklärung: Jawohl, dieses Abenteuer im Schlaraffenland ist echt und kein Traum. Hier sind eben wirklich vier Party-Berserker im Gottkostüm über die Bühne getrampelt und haben zu Techno-HipHop-Balla-Beats alles platt gemacht. Deichkind spielen längst in ihrer eigenen Liga. Das ist unerreichte Nonsenskunst – und macht geradezu verboten viel Spaß.

SA 09.08:
Mainzirkus

Moguai

Moguai ist ein Ausnahmekünstler im großen Zirkus der Musik. Chartsplatzierungen weit über den Zeitraum eines Jahrzehnts, in dem unzählige Sternchen kometenhaft aufstiegen und verglühten. Moguai verschwand nie aus dem Fokus und setzte mit seinen Produktionen immer wieder richtungweisende Standards für elektronische Musik und Glanzpunkte im schnelllebigen Popbusiness. Und er behauptete sich kontinuierlich als einer der besten und außergewöhnlichsten DJs. Die Mischung aus Glaubwürdigkeit und Massenappeal erscheint manchen sicherlich als unmöglicher Spagat. Moguai ist das gelungen, indem er immer den eigenen Traditionen und Visionen treu geblieben ist. Musik ist für ihn ein Prozess der ständigen Weiterentwicklung. Das Tempo gibt dabei nicht der Trend vor, sondern sein persönlicher Geschmack.

SA 09.08.:
Maincircus

Alter Ego

Die Nachbeben der großen Dancefloor-Erschütterung vor vier Jahren sind immer noch zu spüren, direkt in der Magengrube. Was Alter Ego damals mit ihrem Hit „Rocker“ losgetreten haben, dreht sich heute in immer neuen Schleifen durch die Verzerrer. Das Frankfurter Duo aber ist schon einen Schritt weiter und stolpert mit dem Album „Why Not?!“ zurück auf die Freiluft-Raves: mit Sirenengeheul, absurden Breaks, Gequietsche und Leierkastenmelodien. In den letzten Monaten war landauf, landab zu beobachten, was Alter Ego mit dieser Gratwanderung zwischen prollig und pfiffig auf den Tanzflächen anrichten: Die Verstörung wird schnell von Schmunzelattacken abgelöst und steigert sich zu euphorischer Raserei.

SA 09.08.:
Maincircus

Tiefschwarz

Ali und Basti Schwarz sind wohl das berühmteste Brüderpaar der House Music. Nach ersten, eigenen Partys in ihrer Heimatstadt Stuttgart erspielten sie sich in den 90ern mit ihren DJ-Sets in Doppelformation ein immer größeres Publikum. Die letzte Dekade der House Music dominierten sie, wie wenige andere: als Remixkönige von Depeche Mode bis zu Missy Elliott ebenso wie als Produzenten eines Disco-Wave-Knartz-Mischmaschs. Da war es 2007 höchste Zeit, gleich reihenweise Champagnerflaschen zu köpfen, um auf das Zehnjährige anzustoßen. Mittlerweile leben die beiden Workaholics in der Hauptstadt und definieren den Sound von New Berlin: schwarz und deep.

SA 09.08.:
Maincircus

Paul Brtschitsch

Ein Name und ein Sound! Und live heißt live, da Paul auf seine laptopfreie Performance großen Wert legt.
Paul betrieb jahrelang das Label Taksi mit André Galluzzi, veröffentlichte seine Album Trilogie auf Frisbee, produzierte einen Track mit Gabriel Ananda und gründete 2007 sein eigenes Label Rootknox. Jüngst vertraute Anja Schneider auf seine Fähigkeiten als Co-Produzent für ihr Debutalbum "Beyond the Valley".
Nachdem sein Platte auf Mobilees Sublabel Leena in den Groove-Jahres-Charts unter die besten Stücke 2007 gewählt wurde, erscheint aktuell seine neue 12" mit dem Titel bridge itch auf dem niederländischen Label Wolfskuil.

FR 08.08.:
Muna@SMS-Festival

Klee

Von wegen, es gäbe überhaupt keine selbstlose Hingabe, und Liebe sei nur ein Trugbild aus der Nachmittags-Soap! Damit kann man Klee echt nicht kommen. Bei der Kölner Band um die Popfee Suzie Kerstgens bekommen Wörter wie „träumen“ und „Liebespaar“ erst so richtig Gewicht – und Leichtigkeit zugleich. Klee meinen es ernst. Sie wissen, wie man Emotionen in unsterbliche Melodien packt. Zwischen Elektronik und Gitarre, Himmel und Erde: Klee leben für den Pop, sie glauben an den Hit und an die Liebe.

SA 09.08.:
Maincircus

Karotte

Unten mit dem Beat: Das ist Karotte schon seit jenen Tagen, als er zu Hause im Saarland noch auf Mamas Kochtöpfen herumgeklöppelt hat. Auch heute, nach Jahrzehnten leidenschaftlicher Aktivitäten in Clubs wie dem Stammheim in Kassel, wird in „Karotte‘s Kitchen“ immer noch heftig mit Beats und Sounds gebrutzelt. In seiner gleichnamigen Radiosendung auf Sunshine Live setzt Karotte mit seinem unbestechlichen Geschmack nach wie vor Maßstäbe, was in Techno-Deutschland so auf die Plattenteller kommt.

FR 08.08.:
Mainstage

Tobi Neumann

Sein Fetisch heißt Perfektion. Was Tobi Neumann auch anfasst – egal ob Remixe von 2raumwohnung bis Dominik Eulberg, Sounddesign für Filmprojekte oder Produktionsaufträge von den Chicks On Speed bis zu Miss Kittin –, er liefert immer makellose Qualitätsprodukte ab. Das gilt nicht zuletzt auch für seine DJ-Sets. Wenn Tobi mit seiner charismatischen Ausstrahlung hinter dem Mischpult steht, perlen die Grooves wie Glaskristalle aus den Boxen. Und haben trotzdem ordentlich Swing im Allerwertesten.

FR 08.08.:
Cocoon@SMS-Festival

Oliver Lieb

Man vergisst gerne, dass Oliver Lieb einer der produktivsten Akteure des Sound of Frankfurt ist. Einfach, weil man bei seinen 1001 Pseudonymen schnell den Überblick verliert, was er an eigenen Produktionen und Remixen (unter anderem für Größen wie Snap, Faithless oder Moby) schon alles auf dem Zettel hat. Doch von Nostalgie braucht hier keine Rede zu sein. Nach über 15 Jahren Produktionserfahrung wagte Oliver 2005 mit seinem Label Maschine einen Neuanfang. Und klingt frisch wie eh und je.

FR 08.08.:
Second Stage by Brandenburg Allstars

Jacek Sienkiewicz

In den Tracks von Jacek Sienkiewicz schwingt eines der zentralen Rätsel guter elektronischer Tanzmusik mit. Wie zum Teufel geht es vor sich, dass aus lauter auseinanderstrebenden Frequenzpartikeln plötzlich Grooves entstehen, deren eigentümlichem Charme man sich nicht entziehen kann? Doch der Produzent aus Polen hält sich nicht lange mit gewagten Spekulationen über solche Fragen auf. Er programmiert lieber den nächsten Beat, in dem er dieses Rätsel einmal mehr in berückenden Stimmungen auflöst.

SA 09.08.:
Cocoon@SMS-Festival

Minilogue

Die Schweden Marcus Henriksson und Sebastian Mullaert platzen mit ihren sonischen Impulsen mitten rein in den kreativen Dialog zwischen minimal tänzelnden Beats und opulenten Harmonien. Der Projektname des Duos ergab sich daraus wie von selbst: Minilogue steht für die Kommunikation zwischen ihrem Background in der Trance-Szene und der neuen Begeisterung für entschlackte, repetitive Beats. Damit passen Minilogue bestens zum Sound of now und veröffentlichten bereits auf Labels wie Traum und Cocoon.

SA 09.08.:
Cocoon@SMS-Festival

Heartthrob

Jesse Siminski ist ein gutaussehender Kerl, kein Zweifel. Wenn er die Regler übernimmt, ist für die erhöhte Herzschlagfrequenz auf dem Dancefloor allerdings nicht ausschließlich sein Äußeres verantwortlich. Der beschleunigte Puls hat viel eher mit Heartthrobs kickenden Beats und seinen trocken pumpenden Basslines zu tun. Mit diesem reduzierten, doch zugleich sehr verführerischen Klangdesign hat sich Heartthrob in den letzten Jahren als einer der zentralen Acts auf Richie Hawtins Label M_nus etabliert.

FR 08.08.:
Maincircus

Mathias Kaden

Falls es das Genre „Minimal Samba“ noch nicht geben sollte, dann muss es für Mathias Kaden sofort erfunden werden. Der DJ und Produzent aus Gera ist ein Meister darin, seine minimale Vision von House Music mit südländischer Polyrhythmik zu verbinden. Die so entstehenden, unglaublich organischen Hypnose-Grooves veröffentlicht er auf den Labels Vakant und Freude am Tanzen. Oder er gibt sie als Resident-DJ in der Muna und dem Kassablanca seiner treuen und stetig wachsenden Fangemeinde auf die Ohren.

SA 09.08.:
Freude am Tanzen@SMS-Festival

DJ Krust

Was darf‘s sein: schneller Vorlauf oder ein gekonnter Backspin? Bei Krust und seinen DJ-Künsten ist alles zu haben. V Recordings, Full Cycle, Talking Loud – der Mann aus Bristol ist seit jeher an den besten Adressen des Drum’n‘Bass zu Hause. Krust gelang das Kunststück, sich in der hypersonischen Entwicklungsgeschwindigkeit des Genres gemütlich einzurichten und von dort immer neue Signale durch dichte Klangwolken zu schicken. Ein wahrer Klassiker der grummelnden Basslines und gebrochenen Beats.

SA 09.08.:
Broken Harmony@SMS-Festival

Ivan Smagghe

Dreck ist der neue Glam. Der Franzose Ivan Smagghe ist seit Jahren ganz vorne dabei, wenn es darum geht, Schmutz über 4/4-Beats zu schleudern. Nicht zuletzt als die (ehemalige) bessere Hälfte von Black Strobe schmeißt Smagghe zusammen, was zusammenkrachen muss: Wave-Disco-Scheiß, rüden Techno, Acid-Gezwitscher und weitere Skurrilitäten aus dem Elektroladen. Jeder einzelne Sound scheppert aggressiv und bedeutungsvoll, im dichten Nebel ist nicht mehr auszumachen, wo die Grenze zwischen den finsteren Ecken von Disco und dem Reich der guten alten Electronic Body Music liegt. Eines aber kann man gerade noch erkennen: Ivan Smagghes abgewetzte schwarze Lederjacke steht dem Clubsound ganz hervorragend.

SA 09.08.:
Mainstage

Lopazz

Stefan Eichinger ist ein Freigeist, er legt sich nicht gerne fest. Die Film-Scores, die der besessene Soundtüftler in seinem Heidelberger Studio bastelt, gehen bald in die Hunderte; als Lopazz verursacht Eichinger erhellende Kurzschlüsse zwischen Italo, House und Latin-Jazz. Bei ihm bleibt alles ständig in Bewegung. Vor allem die Discokugel.

SA 09.08.:
Muna@SMS-Festival

Marek Hemmann

Es passiert meist beim Minimal-Frühschoppen: Plötzlich wuppt der Bass mit so viel Rumms durchs gleißende Sonnenlicht, dass einem fast der Energiesaft aus der Tasse schwappt. Wenn es dazu auch noch klöppelt wie nichts Gutes, dann ist bestimmt Herr Hemmann aus Jena mit seinem Live-Set am Start – und das Frühstück in Nullkommanichts wieder vergessen.

FR 08.08.:
Freude am Tanzen@SMS-Festival

Zoot Woman

Zoot Woman eröffneten die Musikgeschichte des dritten Jahrtausends mit einer großen Ode an die Oberfläche: „Living In A Magazine“ hieß ihr erstes Album aus dem Jahr 2001. Es handelte von der Sehnsucht nach dem perfekt gestylten Leben zwischen 80er-Synthie-Sounds – und von dessen unvermeidlicher Tragik. Eine kreative Idee, die immer noch ungemein produktiv ist. Stuart Price, der Kopf der Band, ist mittlerweile in den Pop-Olymp aufgestiegen: Wer Madonna produzieren darf, hat es geschafft. Doch den richtig glamourösen Stoff hat Price für Zoot Woman reserviert: distinguiertes Aufbegehren und subtile Eleganz, neu aufbereitet in einem zeitlosen Sound: retro – und doch wieder nicht.

SA 09.08.:
Mainstage

DJ Koze

Man darf ihn getrost als Institution bezeichnen. Seit Jahren ist DJ Koze bei Bester-DJ-Wahlgängen auf die vordersten Plätze abonniert. Falls die Allerweltsfloskel „everybody‘s darling“ auf irgendeinen DJ passen sollte, dann auf Koze. Zuletzt galoppierte er als Mitglied der Hamburger Boy Group International Pony durch Soul-Gefilde und drehte mit seinen Platten bei Kompakt an der Verrücktheitsschraube von House. Der Mann hat Humor und Charisma eben mit Löffeln gefressen. Und versteht es umso besser, genau diese Qualitäten beim Auflegen zwischen seine Platten zu packen. Das sprüht nur so vor positiver Energie. Oder wie DJ Koze höchstpersönlich vermutlich sagen würde: vor glückbringendem Entertainment.

SA 09.08.:
Freude am Tanzen@SMS-Festival

Northern Lite

Das Nordlicht ist eine mächtige, sagenumwobene Erscheinung am Nachthimmel über dem Polarkreis. In Erfurt wurde es vermutlich noch nie gesichtet. Aber dafür ist in der thüringischen Landeshauptstadt eine ähnlich mächtige Urgewalt zu Klang und Rhythmus geworden. Die Rede ist natürlich von Northern Lite. Die Band um den charismatischen Sänger Andreas Kubat wurde vor über zehn Jahren gegründet und zählt schon genauso lange zur Speerspitze der Rock-Techno-Verschmelzer des Landes. Zuletzt war der verruchte und dunkel schimmernde Northern-Lite-Sound auf dem Album „Super Black“ in seiner ganzen Pracht zu bestaunen – ein Erlebnis, mindestens so überwältigend wie die Lichterscheinungen am Polarkreis.

SA 09.08.:
Mainstage

DJ Rush

Bei ihm ist er so laut und so mächtig zu hören wie bei kaum einem anderen DJ: der unerbittlich scheppernde Nachhall jener verlassenen Lagerhallen in Chicago, in denen sich House Music in all ihrem Glamour, aber auch ihrer rohen Gewalt erhob. Der junge Isaiah Major hat diesen Sound begierig aufgesogen und später in eigenen Experimenten mit der kompromisslosen Energie von Industrial gekreuzt. DJ Rush war geboren und mit ihm eine neue Urgewalt aus primitiven, harten Rhythmen, Techno und Funk. Seit Rush vor zehn Jahren seine Hymne „Motherfucking Bass“ veröffentlichte, ist er rastlos unterwegs, immer mit dem mächtigen Nachhall jener Chicagoer Nächte im Ohr.

Fr 08.08.:
Maincircus

Dubfire

Der Groove schien wie aus dem Nichts zu kommen: Dubfires „RibCage“ war einer der Abräumer-Tracks des letzten Jahres. Dabei ist Ali Shirazinia, der Mann hinter Dubfire, alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Mit Deep Dish, einem grammydekorierten Dance-Duo aus den USA, hat Shirazinia schon alles aus der obersten Popliga remixt. Mit Dubfire wollte er im Grunde nur den Funktionsweisen aktueller Minimal-Patterns auf die Spur kommen. Ein Experiment, das großartig aufgegangen ist!

SA 09.08.:
Cocoon@SMS-Festival

Polarkreis 18

Es mussten schon Vergleiche mit den ganz Großen her, als Polarkreis 18 letztes Jahr ihr Debütalbum veröffentlichten. Radiohead war so ein Name, der immer wieder fiel. Kein Wunder, denn die sechs Jungs aus Dresden waren 2007 mit ihrer Symbiose aus Elektronik und Gitarrenwänden eine der heißesten Entdeckungen – ihrem unterkühlten Bandnamen zum Trotz. Auf ihren Songs geben Polarkreis 18 alles: so viele Melodien, so viele sich überschlagende Arrangements und nicht zuletzt so viele Höhepunkte.

SA 09.08.:
Maincircus

Wighnomy Brothers

Es fällt richtig schwer, beim Lobgesang auf die Großtaten der Gebrüder Wighnomy nicht selbst in ihr typisches „Wortkabular“ zu verfallen. Weil es nämlich den Charme der Darbietungen von Robag Wruhme und Monkey Maffia am DJ-Pult so toll einfängt, wenn man etwa sagen würde: „Haste einen an der Schaffelwaffel, du Herbstmoosmutzel?!“ Da steckt fast alles drin, was die Sets des Duos aus Jena so speziell macht: die liebenswürdige Ansprache, der unverkennbare Sound und der gewisse Überraschungseffekt.

FR 08.08.:
Freude am Tanzen@SMS-Festival

Extrawelt

Richtig spannend wird es im Tanzfluralltag erst, wenn sich irgendwo zwischen den Sounds ein Spalt öffnet, der in ein Paralleluniversum führt. In jene psychoaktive Extrawelt, nach der Arne Schaffhausen und Wayan Raabe ihr gemeinsames Projekt benannt haben. Durch ihren Hintergrund in der Trance-Szene bestens sensibilisiert, machen sich die zwei Hamburger auch im Minimal-Bereich auf die Suche nach Euphorie verstrahlenden Soundpartikeln. Und entdecken dabei immer wieder Wurmlöcher in die Extrawelt.

FR 08.08.:
Cocoon@SMS-Festival

Anja Schneider

Anja Schneider verwandelt Techno in einen Märchenwald. Sie ist eine Abenteurerin, immer dem dunklen Geheimnis der Nacht auf der Spur. Seit Jahren bestimmt Anja mit ihrer Sendung „Dance Under The Blue Moon“ im Berliner Radio Fritz, was in der Hauptstadt zur Geisterstunde zu hören ist. Mit dem eigenen Label Mobilee versorgt sie inzwischen auch die entrückten Afterhour-Tanzflächen und veröffentlichte nun ihr erstes Album „Beyond The Valley“: eine Reise direkt zum Ursprung des Techno-Mysteriums.

SA 09.08.:
Maincircus

Gregor Tresher

Seinen Status als einer der erfolgreichsten deutschen Techno-Acts hat Gregor Tresher 2007 weiter gefestigt. Nachdem er vor kurzem noch in der Rubrik Newcomer geführt wurde, räumte er im Raveline-Jahrespoll auf ganzer Linie ab: Er gilt als bester Produzent und landete auch bei Track und Album des Jahres unter den Top Five. Kein Wunder, „A Thousand Nights“ ist eine große Hommage an die vielen langen Nächte, die Gregor schon durchgefeiert hat und an die weiteren tausend, die noch folgen sollen.

SA 09.08.:
Mainstage

Nicky Blackmarket

Der Breakbeat-Pionier aus London hat schon so viel an Erfahrung auf dem Buckel, dass er sich selbst augenzwinkernd als „older than oldskool“ bezeichnet. Soll heißen: Nicky Blackmarket wusste immer schon, was im Drum‘n‘Bass der real Shit ist. Sein Plattenladen Blackmarket in Soho war und ist einer der wichtigsten Kristallisationspunkte der Szene. Und trotz all seinen Erfolgen als DJ, Produzent und Labelbetreiber steht Nicky immer noch selbst hinter der Theke. Das ist eben wahre Leidenschaft!

SA 09.08.:
Broken Harmony@SMS-Festival

Lexy

Lexy liebt es nachzusitzen. Während sein Busenfreund K-Paul nach ihren gemeinsamen Auftritten schon mal Feierabend macht, büffelt Lexy immer weiter Beats und Breaks. Ende der Neunziger drückte Alexander Gerlach im Berliner Rave-Gymnasium fleißig die Schulbank und zählt auch heute, nach aufregenden Lehr- und Wanderjahren an internationalen Dancefloor-Universitäten, immer noch zu einem der wichtigsten Vertreter jener Berliner Partyschule, in der Spaß in ganz großen Lettern geschrieben wird.

SA 09.08.:
Muna Afterhour

Techno from Chemnitz City

Live Battle: Hanson & Schrempf vs. Reche & Recall

Chemnitz gibt für das SMS sein Bestes, und zwar gleich eine geballte Ladung davon: Die Herren Hanson & Schrempf, durch die Aktivitäten ihres Labels Rohrmusik als Hardtechno-Wüteriche einschlägig vorbestraft, haben bestimmt einiges an bösen Bassdrums in der Pipeline. Mal sehen, wie Reche & Recall vom ebenfalls nicht gerade zimperlichen Miditonal-Label darauf kontern. Wer auch immer diesen einzigartigen Live-Battle angezettelt hat, eines steht wohl außer Frage: Hier werden keine Gefangenen gemacht.

FR 08.08.:
Maincircus

Onur Özer

Zu Hause am Bosporus ist Onur Özer beinahe ein Einzelkämpfer, rund um den Globus jedoch das Aushängeschild einer neuen Produzentengeneration. In seiner Heimatstadt Istanbul schraubt Onur schon seit Jahren an seiner eigenen Definition von Minimal Techno. Das Ergebnis, sein gefeiertes Debütalbum „Kaşmir“, führte letztes Jahr zahlreiche Hitlisten an: Tanzmusik im Spannungsfeld zwischen perfektem Sounddesign und versprengten Folkloreeinflüssen, die sich in den Weiten digitaler Hallräumen brechen.

FR 08.08.:
Muna@SMS-Festival

Jeremy P. Caulfield

Erdig, kantig, roh. So klingt der unverwechselbare Sound, mit dem sich Jeremy P. Caulfield seine eigene Nische zwischen minimalistischer Technotradition und der neuen Bratzigkeit geschaffen hat. Aus seiner Heimatstadt Toronto ist er mit seinem Label Dumb-Unit inzwischen nach Berlin gezogen, um die Clubs mit kanadischen Holzhacker-Grooves zu versorgen.

FR 08.08.:
Muna@SMS-Festival

The Sonic Boom Foundation

Achtung, Eskalationsstufe zwei. Aber mindestens. Wenn die Jungs von The Sonic Boom Foundation Rock und Rave mit rotziger Attitüde durcheinanderwirbeln, kriegen schockschwache Charaktere schon mal das Muffensausen. Seit den seligen Zeiten von Madchester, Happy Mondays und EMF klang lange nichts mehr so frech. So new-ravet nur Leipzig. Unbelievable!

SA 09.08.:
Mainstage